Quelle Neue Presse 17.11.2018

Der Landwirt, der sein Land an die städtische Wohnungsbaugesellschaft verkauft hat

Ich kenne seinen Namen und bedauere die Entscheidung sehr!

Er ist ein Gegner des Stadtteils zwischen Niederursel und Steinbach.

Jetzt hat er trotzdem seine Äcker zu Geld gemacht.

Dass er sich damit keine Freunde macht, ist ihm klar. Ein Stimmungsbericht.

 

Nicht wieder den Kürzeren ziehen wie sein Vater

in den 60er Jahren in der Nordweststadt,

wie in den 90er Jahren am Riedberg.

 

Die Bürger*innen haben die Möglichkeit gesunde Entscheidungen zu treffen.

Unsere Entscheidungen sollten im Einklang mit der Erde stehen was unsere Zukunft in diesem Gebiet betrifft. 

Deshalb, sagt er, der Frankfurter Landwirt, hat er der städtischen Wohnbaugesellschaft ABG Holding seine Äcker verkauft. Die Nachricht schlug gestern ein wie eine Bombe. Es geht um den geplanten Stadtteil zwischen Niederursel und Steinbach, es geht um Wohnungen dort, wo heute noch angebaut und geerntet wird. Es geht um Existenzen von Landwirten, um Visionen von Stadtpolitikern. Es geht um die Zukunft, sagen alle.

„Keine Zukunft“

Die Landwirtschaft in Frankfurt habe keine Zukunft, sagt der Landwirt, der verkauft hat. Seinen Namen verschweigen wir. Das Wort vom Verrat macht die Runde im Online-Forum „Steinbacher Stadtgespräch“, dort, wo der Widerstand gegen den Stadtteil so groß ist wie der Argwohn gegen Frankfurts Politik. „Kann jeder denken, was er will“, sagt der Landwirt, der verkauft hat. Am Riedberg hat sein Vater einst Ackerboden für 23 Euro pro Quadratmeter hergeben müssen, weil der Druck durch die Stadt immer größer geworden sei. Bald habe das Bauland mehr als 600 Euro eingebracht, ein Luxusquartier entstand. Die Stadtregierung  CDU,SPD, GRÜNE verspricht doch immer bezahlbaren Wohnraum!

Dieses Mal hat er, der Landwirt, die Initiative ergriffen. Warum jetzt? Warum überhaupt, wo er doch zu jenen gehört hat, die sich wehren gegen das Megaprojekt für 30 000 Menschen: „Kein Kommentar mehr“, sagt der Landwirt.

7,3 Hektar, eine Fläche von gut zehn Fußballfelder, hat er der städtischen Wohnungsbaugesellschaft angeboten: 1,75 Hektar östlich der Autobahn 5 hat die Stadt gekauft, auf 5,55 Hektar westlich der A5 hat sie eine Option, fixiert ist da noch nichts. Im Schnitt 100 Euro pro Quadratmeter, also etwa 1,7 Millionen Euro, habe die ABG Holding gezahlt, sagte deren Geschäftsführer Frank Junker gestern und fasste den Wert des Vertrags so zusammen: „Jetzt kommen wir der Realisierung von dringend benötigten Wohnbauflächen ein gutes Stück näher.“

Genau dieses Vorhaben  Bauen um jeden Preis, was nie ehrlich von der Stadtplanung und unserem OB Peter Feldmann geführt wurde, muss unter allen Umständen verhindert werden! Wer einmal lügt, dem GLAUBE ich nicht!

Dies ist meine ehrliche Meinung zu diesem Thema. Haben Sie Mut und werden Sie ein Befürworter das nicht im vorgesehenen Umfang gebaut wird!  Der Ortsbeirat 8 hat bei seiner letzten Sitzung im November einen Antrag zur Güte verabschiedet!

Es ist nicht menschlich an der Autobahn und in der Nähe von Strommasten zu wohnen. Unsere Frankfurter Lebensqualität wird enorm leiden, wenn wir unsere Frischluftschneisen kappen. Den besten Boden für immer zerstören. Ein Wasserschutzgebiet, ein Naturschutzgebiet, ein Naherholungsgebiet, ein Ausgleichsgebiet zum Riedberg einfach ignorieren. 

Die Ergebnisse des Frankfurter Klimaatlas einfach nicht zur Kenntnis nehmen wollen!  

Frankfurts Planungsdezernent Mike Josef (SPD) wiederum betont zwar, dass mit dem Kauf keine Vorentscheidung für den Stadtteil gefallen sei und man „selbstverständlich“ die in der Stadtverordnetenversammlung vereinbarten Gutachten zu Klima, Lärm und Verkehr abwarte, als Erfolg will er die 7,3 Hektar aber schon verbuchen. „Ein wichtiger Schritt.“ Vor allem in Hinsicht auf günstige Wohnungen. Zudem hofft man auf eine Art Dominoeffekt: Die Phalanx jener Landwirte, die bislang geschlossen gegen den Stadtteil aufgetreten waren, könnte bröckeln.

Wer ein Gutachten bezahlt, bekommt in der  Regel auch das was er will für sein Geld – was er für viel Geld bezahlt hat – oder sind Sie anderer Meinung?

Der Domino-Effekt wird leider einsetzen, da viele Grundstücke bisher wenig Wert hatten und jetzt finanziell wertvoller geworden sind, leider! 

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) formuliert es so: „Ich bin begeistert, dass wir vor Ort Partner und Unterstützung für dieses für Frankfurt so wichtige Projekt finden.“ Und der OB sagt noch einen Satz, der besonders bei Christdemokraten aus dem Frankfurter Norden Verwunderung auslöst: „Mit der klaren Zustimmung der Koalitionsparteien CDU, SPD und Grünen hat die ABG nun die Rückendeckung, um den Stadtteil voranzubringen.“

„Vertrauensverlust“

Veljko Vuksanovic hat von dieser klaren Zustimmung bis gestern nichts gewusst. Der CDU-Mann ist Ortsvorsteher in Praunheim und entschiedener Gegner des neuen Stadtteils. Als solcher wähnte er seine Parteikollegen im Römer mindestens halbwegs auf seiner Seite. Sie und die Grünen waren es, die in der Stadtverordnetenversammlung ein Gutachten durchgeboxt hatten. Ob der Stadtteil zwischen Niederursel und Steinbach überhaupt ökologisch vertretbar sei, wird geprüft. Bis 30. September sollte ein Zwischenbericht vorliegen, vor Ende des Jahres wird’s damit nichts. Dass ungeachtet dessen nun Baudezernent Jan Schneider (CDU) und der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Michael zu Löwenstein, im Aufsichtsrat der ABG Holding für den Kauf der 7,3 Hektar gestimmt haben sollen, ärgert Vuksanovic. „Da müssen wir reden“, sagt er und spricht von „Vertrauensverlust“.

Die Stadtregierung hat bei mir schon lange einen Vertrauensverlust!

Mir ist auch das Ergebnis der Landtagswahl seitens der Bürger*innen, die die GRÜNEN zum Gewinner gemacht haben, nur schwer verständlich und ich kann Herrn Veljko Vuksanovic sehr gut verstehen.  Er hat sich wie ich auch aktiv gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen und wurde nicht belohnt für sein Engagement. Aufgeben gilt bei mir nicht. Kompromissen offen gegenüber bleibe ich! 

Planungsdezernent Josef will Kritiker und Landwirte mitnehmen im langwierigen Prozess, der sich „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ nennt. Zu der gibt es ein Gesetz und viele Paragrafen. Auf einen weist Josef hin: In ihm steht, dass zum harten Ende eine Kommune einen Landbesitzer auch enteignen kann.

Genau vor dieser Enteignung haben die Eigentümer Angst! Eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme ist die einfachste Art der Städteplanung.

Ein neuer Stadtteil braucht in Frankfurt bis zur Fertigstellung etwa 20 Jahre. Wer garantiert hier den bezahlbaren Wohnraum?

Bezahlbaren Wohnraum in Neubaugebieten hat es eigentlich nie gegeben, sonst würden ja fast alle Probleme in Frankfurt durch den Riedberg beseitigt sein! Fragen Sie mal die Studenten was Sie für den Wohnraum am Riedberg bezahlen!

„Genau! Und das will ich nicht erleben“, sagt er dann doch noch – der Landwirt, der verkauft hat.

Artikel Frankfurter Neue Presse, vom 15.11.2018.

 

Wenn wir schon beim Thema  Neubaugebiet sind, hier ein offener Brief eines sehr engagierten Bürgers der mich auch als Mitglied im Ortsbeirat 8 angeschrieben hat. Seine Kompetenz ist anerkannt!

Sehr geehrter Mitglieder des Ortsbeirates 8,

ich habe die Veröffentlichung der Vorversion des Stadtentwicklungskonzeptes mit Interesse verfolgt. Bei den Stadtverordneten der Römer-Koalition habe ich sehr merkwürdige Reaktionen beobachtet, die ich nicht unwidersprochen lassen kann. Deswegen habe ich den folgenden offenen Brief an Manuel Stock geschickt. Ich setze mich dafür ein, dass dem Stadtplanungsamt auch auf dem Pfingstberg keine Denkschranken auferlegt werden.

Mit freundlichem Gruß

Rüdiger Hansen

 

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Absender:

Wolf-Rüdiger Hansen, Paul-Kornfeld-Weg 33, 60439 Frankfurt-Nordweststadt

Mobil: 0171 2257 520  –  hansen@wrhansen.de    –  8. Dezember 2018

 

Offener Brief zum Thema Denkschranken als E-Mail an:

Herrn Manual Stock

Fraktionsvorsitzender der Grünen

in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung

Manuel.Stock@gruene-fraktion.frankfurt.de

 

Betreff: Ihr Interview in der Frankfurter Rundschau vom 4.12.2018

Mit der Überschrift: „Wir müssen den Grüngürtel noch ausweiten.“

anlässlich der Veröffentlichung einer Vorversion des Stadtentwicklungskonzeptes 2030

 

Sehr geehrter Herr Stock,

Sie führen in der FR aus, dass wir „die Stadt vom Stadtklima her denken“ müssen; dass keine Baumaßnahmen durchgeführt werden dürften, die „das Klima in ganz Frankfurt belasten“. Sie weisen darauf hin, dass die Frage immer sein müsse, ob eine Bebauung auch ökologisch vertretbar sei, ob sie die Frischluftzufuhr behindere. Und Sie legen „viel Wert auf Klimaschutz und Freiflächen“. Gleichzeitig bemerken Sie, dass „die Koalition sich in einem Abwägungsprozess auf das Gebiet westlich und östlich der A5 als Areal für einen neuen Stadtteil geeinigt“ habe. Auf dem Pfingstberg zu bauen sei mit Ihnen nicht zu machen.

 

Da entsteht doch der Eindruck, dass sie selbst ihre weitsichtige ökologische Perspektive mit einer kurzsichtigen politischen Verfahrensweise konterkarieren. Dass auf dem Pfingstberg nicht und stattdessen beiderseits der A5 gebaut werden soll, ist ein Beschluss der Koalition im Stadtparlament. Für uns Bürger ist dieser Beschluss aber nicht nachvollziehbar. Bleiben wir bei den Winden. Klar wehen über den Pfingstberg die Wetterau-Winde in Richtung Stadtmitte. Aber solche Winde wehen auch nördlich um die Stadt herum und dann über den östlichen Teil des politisch gewollten neuen Stadtteils an der A5. Diese sind wichtig für die nordwestlichen Vororte, nämlich Praunheim, Heddernheim, Nordweststadt und Niederursel.

 

Hinzu kommt die nächtliche Kaltluftentstehung. Die ist besonders dann bedeutsam, wenn bei hochsommerlichen Wetterlagen Windstille herrscht. Dann bildet sich aber gleichwohl Kaltluft über den Feldern – so im Bereich westlich der A5 – und setzt sich dem Gefälle der Taunushänge folgend in Richtung der nordwestlichen Vororte in Bewegung. Diese Lüfte konnten wir im letzten Sommer mal wieder deutlich spüren. Wenn an der A5 gebaut würde, dann müsste dort ein bis zu ca. 12 Meter hoher Lärmschutzwall errichtet werden. Dass der ein Hindernis für die Kaltluftströme darstellen würde, bestätigt auch das Umweltamt.

 

Sie äußerten sich bei einer Podiumsdiskussion im Cafe Mutz in Niederursel einmal wie folgt: Wenn es an der A5 ökologische Hindernisse gäbe, dann würden sie die Bebauung dort nicht unterstützen. Können Sie sich daran noch erinnern?

 

Diesem Diskussionsdilemma könnten wir entkommen, wenn beide Fluren einer gründlichen Untersuchung unterzogen würden. Dann könnte eine objektive Entscheidung zugunsten des einen oder des anderen Gebietes erfolgen. Sie und die Römer-Koalition haben das aber nicht gewollt.

 

Das führte wohl auch zu der widersprüchlichen Situation, in die sich Ihr Kollege Michael zu Löwenstein, Fraktionschef der CDU, in der vorletzten Woche gebracht hat. Am 28.11. wurde er anlässlich der Markierung des Pfingstbergs im Stadtentwicklungskonzept in der FAZ so zitiert: „Wir können dem Stadtplanungsamt nicht verbieten, nachzudenken.“ Am Tag darauf lesen wir: Auch eine skizzenhafte Darstellung des Pfingstbergs als „Untersuchungsraum“ lehne er strikt ab.

 

Obwohl doch völlig klar ist, dass unsere Stadtentwicklungsplanung einen Horizont von zehn, zwanzig oder gar dreißig Jahren überschauen muss, verbietet die Koalition dem Stadtplanungsamt, langfristig zu denken. Kann so eine Denkschranke Teil einer guten Politik sein?

 

Mit freundlichem Gruß

Wolf-Rüdiger Hansen