Frankfurt will wachsen? Für wen? Für Spekulanten?

Hier Informationen aus der Presse:

 

Spekulanten treiben die Preise

Der Immobilienmarkt ist angespannt. Experten der Hypovereinsbank berichten von Investoren, die für eine exklusive Wohnung fast jeden Preis zu zahlen bereit sind – und am Ende dann kaum darin wohnen.

VON THOMAS J. SCHMIDT

Frankfurt. Etwa jeder zweite Euro, der in Frankfurts Immobilien investiert wird, kommt aus dem Ausland. Am stärksten sind Asiaten vertreten, aber auch Osteuropäer. Dies sagte gestern Guido Gerstner, Direktor der Real Estate Region West der Hypovereinsbank. „Institutionelle Anleger wie Versicherungen und Asset-Gesellschaften achten durchaus auf Rentabilität“, so Gerstner. Sie errichteten Wohnungen oder Bürogebäude, um sie zu vermieten. Dabei spiele es nur selten eine Rolle, ob dies in Frankfurt geschehe oder in München oder Berlin. Hauptsache, das Geld fließt in den sicheren Hafen Deutschland und die Anlage ist nicht ganz unrentabel. „Es gibt aber auch Privatinvestoren“, sagte Gerstner. Diese scheinen, hört man dem Manager zu, viel Geld zu haben und dies einfach nur irgendwo sicher bunkern zu wollen. Sie sind es, die bis zu 19 000 Euro für einen Quadratmeter Penthouse-Wohnung zahlen – und dann nie einziehen. Oder höchstens zwei Wochen im Jahr dort wohnen. Während der übrigen Zeit steht die Wohnung leer.

Baugrund für 1000 Euro

Es ist viel Geld im Markt, die Preise steigen. Um 15 Prozent kletterten die Kosten für Baugrund binnen eines Jahres – von 2016 auf 2017 – auf 1000 Euro pro Quadratmeter in guten Lagen. Dies sagte Christian Mangartz, Regionalbereichsleiter der Hypovereinsbank. Der Trend ist ungebrochen. Bank-Sprecher Ralf Horak erläuterte: „Die Zahlen, die wir nennen, sind real. Es sind Objekte, die wir finanzieren.“ Also nicht die Wunschvorstellung der Anbieter, sondern das, was im Kaufvertrag steht.

Für eine Doppelhaushälfte muss man in Frankfurt inzwischen 800 000 Euro hinlegen (neu, gute Lage). Die Entwicklung spiegelt sich auch in steigenden Mieten. Der Quadratmeter Neubau-Wohnung kostet mittlerweile rund 15 Euro monatlich. Eine gewisse Gefahr sieht Gerstner in der Mietpreisbremse. Denn: So lange Kaufpreis und Mietertrag in gleicher Weise steigen, bleibt die Investition rentabel, trotz steigender Kosten. Steigt jedoch der Ertrag nicht mehr – wegen der Mietpreisbremse – könnte auch die Bautätigkeit schnell zum Erliegen kommen.

Einer der Preistreiber ist die Spekulation. So knapp die Baugrundstücke in Frankfurt auch sind, viele liegen brach, weil die Eigentümer darauf spekulieren, in einem oder zwei Jahren noch mehr dafür zu bekommen, als sie selbst ausgegeben haben. „Manche Grundstücke wechseln dreimal oder viermal den Besitzer, ohne dass gebaut wird“, beschreibt Gerstner die Situation. Wenn es jedes Mal zehn oder 20 Prozent Aufschlag gibt, versteht man, warum Bauen und Wohnen in Frankfurt so teuer ist. Noch teurer ist es deutschlandweit nur in München.

Es kommen Gutverdiener

„Vor allem“, sagte Martin Puchta, bei der Hypovereinsbank Experte für die Immobilien-Finanzierung, „fehlt bezahlbarer Wohnraum für Familien.“ Das ist gut für die Bank: Diejenigen, die herziehen, sind meist jung und verdienen viel Geld. Sie können die hohen Mieten zahlen, und es macht ihnen auch nichts aus, bei der Finanzierung des Wohneigentums 20 Prozent Eigenkapital mitzubringen. Sie können von der Niedrigzinsphase profitieren und sich die Zinssätze bis zu 30 Jahre lang festschreiben lassen.

Dabei steigen die Preise für die Wohnungen ganz erheblich. Alleine in den vergangenen vier Jahren wurde ein Aufschlag um 40 Prozent verzeichnet. Dies ermittelte die Hypovereinsbank aus ihren eigenen Zahlen und erklärt es damit, dass in den Wohnhochhäusern, etwa im Europaviertel, spezifisch hochpreisige Wohnungen verkauft wurden. Im Gegensatz dazu gibt es eine rückläufige Verkaufszahl bei gebrauchten Immobilien aller Baujahre. Klar, denn wer ein Häuschen hat, verkauft es nicht, sondern hofft auf weitere Wertsteigerung.

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Wohnungspreise in Hessen legen weiter zu

Frankfurt/Wiesbaden. Bürger in Hessen müssen für Wohnungen und Häuser vielerorts immer tiefer in die Tasche greifen. Im vergangenen Jahr haben die Immobilienpreise im Land stark zugelegt. In Ballungsräumen wurden dabei starke Preissprünge verzeichnet, wie der Immobilienmarktbericht der Wiesbadener Landesregierung zeigt. Die regionalen Unterschiede bleiben aber groß.

Laut dem Papier wurden 2017 hessenweit Kaufverträge im Wert von 22,4 Milliarden Euro abgeschlossen – 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei lag die Zahl der Abschlüsse mit 66 000 zugleich um 3000 unter dem Vorjahr. Frankfurt behauptete sich erneut als umsatzstärkster Immobilienmarkt: In der Finanzmetropole schoss der Wert der Abschlüsse um gut ein Drittel auf 7,1 Milliarden Euro hoch. Hohe Erlöse gab es ferner im Hochtaunuskreis und im Main-Taunus-Kreis.

Angesichts billiger Immobilienkredite und mangelnder Anlagealternativen für Investoren sei die Dynamik „ungebrochen“, erklärte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir.

Im Schnitt kostete 2017 ein gebrauchtes frei stehendes Einfamilienhaus 320 000 Euro – 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stärker verteuerten sich neue Eigentumswohnungen: Deren Preise kletterten um 13,5 Prozent auf 3350 Euro je Quadratmeter. Im Vorjahr waren es 2950 Euro. Wohnungen im Bestand wechselten für 1850 Euro je Quadratmeter den Besitzer (plus 12 Prozent).

Vor allem in Südhessen sind Wohnungen teuer: Typische Objekte im Bestand mit 80 Quadratmetern kosteten am meisten in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und Wiesbaden sowie im Hochtaunuskreis und Main-Taunus-Kreis mit im Schnitt je mehr als 2500 Euro je Quadratmeter. Im Vogelsbergkreis, im Werra-Meißner-Kreis und im Schwalm-Eder-Kreis wurde mit weniger als 1199 Euro je Quadratmeter nicht einmal die Hälfte fällig.

An der Spitze liegt dabei erneut Frankfurt mit 4000 Euro je Quadratmeter für eine gebrauchte Wohnung, während solche in Kassel im Schnitt nicht einmal ein Drittel davon kosten (1250 Euro) und im Schlusslicht Vogelsbergkreis nur 850 Euro je Quadratmeter zu bezahlen sind.

Bei neuen Wohnungen haben die Gutachter in weiten Teilen Nord- und Osthessens wegen Nachfrageflaute kaum Daten erfasst. dpa