Ein Experiment kann uns helfen. Ein Beispiel  Mini-Schweiz in Rheinau.

Ein Beitrag von Sara Lisa Schäubli

Zwei Jahre ist es her, dass sich in der Schweiz das Grundeinkommen nicht an der Urne durchsetzte. Jetzt wagt Filmemacherin Rebecca Panian einen neuen Anlauf. Die Schweizer Gemeinde Rheinau soll das Grundeinkommen für ein Jahr testen. Doch das Experiment ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Wenn Rebecca Panian ans Grundeinkommen denkt, hat sie eine bessere Welt vor Augen: „Eine Welt ohne Existenzangst, in der alle die Freiheit haben, sich zu überlegen, wo ihre Stärken liegen und welche Tätigkeit sie erfüllt.“ Die Mehrheit der Schweizer*innen denkt leider noch nicht so wie sie. Bei der Abstimmung 2016 zeigten erst 23 Prozent der Schweizer Stimmbürger*innen, dass sie an die Idee Grundeinkommen glauben. „Doch ich bin überzeugt davon, dass wir das System ändern können, wenn wir wirklich wollen“, sagt sie.

Die 39-Jährige ist Minimalistin. Schon in der Lehre musste sie mit 400 Franken (ca. 350 Euro) auskommen. Heute arbeitet sie lediglich einen Tag die Woche fix und lebt auf 30 Quadratmetern. In ihrem nächsten Projekt will die Filmemacherin die Suche nach der ersten Grundeinkommen-Gemeinde der Schweiz dokumentieren.

Ein spannendes Interview zum Grundeinkommen.

Mitmachen trotz starkem Einkommen

Mit einem Videoaufruf hatte die Initiatorin Anfang des Jahres schweizweit nach Gemeinden gesucht, die bei einem Grundeinkommen-Experiment mitmachen würden. Über hundert meldeten sich. „Die Wahl fiel auf Rheinau, da der Gemeinderat von Anfang an interessiert war und die Kommunikation auf Anhieb bestens funktionierte“, erzählt Rebecca Panian. Rheinau im Kanton Zürich hat knapp 1.300 Einwohner*innen. Bisher war die an Deutschland grenzende Gemeinde eher für seine Klosterinsel in der Rheinschleife bekannt. Doch das könnte sich bald ändern. Sollte das Pilotprojekt zustande kommen, erhalten alle Bürger*innen über 25 Jahren für ein Jahr lang monatlich 2.500 Franken (ca. 2.160 Euro). Wichtig ist dabei, dass das Geld nicht zusätzlich zum Einkommen, sondern grundsätzlich ausbezahlt wird. Wer über 2.500 Franken verdient, muss das Grundeinkommen zurückbezahlen. Die Frage, welche Rebecca Panian von Rheinauer*innen deswegen am häufigsten hört, ist: „Warum sollte ich mitmachen, wenn ich doch genug verdiene?“ Da wurde Panian bewusst: „Profitieren wird immer nur im Bezug aufs Geld gesehen. Mein Rat war: Wenn jemand nicht für sich persönlich mitmachen will, dann doch vielleicht für die Gemeinschaft von Rheinau.“ Schließlich profitiere doch am Ende jede*r, wenn es der ganzen Gemeinde besser gehe, so sieht es Rebecca Panian.

Schmeißen manche den Job hin?

Ob das die Rheinauer*innen auch so sehen, wird die wissenschaftliche Auswertung des Experiments zeigen. Das wissenschaftliche Team und die Filmemacherin wollen untersuchen welche gesellschaftlichen Veränderungen das Grundeinkommen bewirkt: Wie gehen die Bürger*innen mit der neuen Freiheit um? Schmeißen manche sogar den Job hin? Und, gefährdet das den Zusammenhalt der Gemeinschaft? Das sind alles Fragen, die auch Grundeinkommen-Gegner als Argumente aufführen. Jetzt gäbe es die Möglichkeit, sie auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen.

Wie eine Mini-Schweiz

Die Gemeinde Rheinau eignet sich für das Experiment deswegen so gut, weil sie in vielen Punkten eine Mini-Schweiz ist. Wer sich auf der Seite des Bundes das Gemeindeporträt anschaut, entdeckt die Parallelen. So gibt es in Rheinau zum Beispiel prozentual ähnlich viele Jugendliche, Erwachsene und Pensionierte wie in der gesamten Schweiz. Ein Glücksfund: Als Rebecca Panian ihren Aufruf startete, meldete Gemeinderätin Karin Eigenheer Rheinau an. Die Gemeinderätin hatte in den letzten vier Jahren festgestellt, dass die Kosten für Sozialleistungen steigen und der Zusammenhalt in der Gemeinschaft zurückgeht. Rheinau will seinen Bürger*innen anbieten, eine mögliche Lösung auszuprobieren.

Trau dich, Rheinau

Mindestens die Hälfte der Bürger*innen muss mitmachen, damit das Experiment realisiert wird. Ab Herbst ist klar, ob das klappt. Ein engagierter Rheinauer hat schon einen WhatsApp-Chat ins Leben gerufen, in dem Rebecca Panian im Vorfeld die brennendsten Fragen beantwortet hat. Angenommen genug Rheinauer*innen machen mit, besteht die zweite Hürde in der Finanzierung. Am liebsten will Rebecca Panian das Ganze durch Crowdfunding stemmen. „Bei der Abstimmung 2016 haben über 500.000 Menschen Ja gesagt zum Grundeinkommen. Wenn jede*r davon 20 Franken (ca. 17 Euro) investieren würde, hätten wir 10 Millionen (ca. 8,6 Millionen Euro) beisammen.“

Wenn alles klappt, sollen schon im Januar 2019 die ersten Grundeinkommen ausbezahlt werden. Wer jetzt noch nach Rheinau ziehen will, ist aber schon zu spät. Anspruch aufs Grundeinkommen haben nur Bürger*innen, die schon dort wohnen.

Wenn wir wollen – sprich die deutsche Politik – dann ist alles möglich. Es geht auch über das Engagement durch die Bevölkerung. Es gibt schon einige Beispiele. Ich bin vom Grundeinkommen als soziale Revolution überzeugt. Es ist ein Gemeinsschaftprojekt aus meiner Sicht anzustreben, damit an alles gedacht wird, um es zum Erfolg zu führen. Wir sollten mit dem Machen anfangen!

Angstmacher brauchen wir keine…

Mit der richtigen Einstellung und dem Willen es zu schaffen, sollte es ein Meisterwerk werden. Jeder sollte anschließend das Gefühl haben, wieso haben wir nicht schon früher an das Grundeinkommen gedacht!

Es gibt viele gute Ansätze und auch schon praktische Erfahrungen. Das große Gesamtpaket „Bedingungsloses Grundeinkommen“ ist m.E. noch nicht vorhanden. Hier ein Beispiel aus der Gründerszene von NRW

Gründer-Grundeinkommen in NRW: 1.000 Euro im Monat

https://www.deutsche-startups.de/2018/06/29/gruender-grundeinkommen-nrw-1-000-euro-im-monat/

Wenn Sie auch für das Grundeinkommen sind, dann stärken Sie meine Position bei der Landtagswahl Hessen, Wahlkreis 35 Frankfurt II und wählen Sie Karlheinz Grabmann, Freie Wähler. Danke!