Wir Menschen sind Verbraucher und können schon aktiv etwas beeinflussen für bessere Lebensbedingungen. Es gilt die Wahrheiten aufzuzeigen, damit wir unser Verhalten überdenken können.

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VonMarie-Christine FischerAktualisiert am 12. Juli 2019, 13:38 Uhr

„Das schlimmste Unternehmen der Welt“ – aus Sicht der Umweltschutzorganisation „Mighty Earth“ trifft das auf den US-Konzern Cargill zu. Nie gehört? So dürfte es vielen Verbrauchern in Deutschland gehen. Doch auch hiesige Supermärkte und weit verbreitete Marken vertreiben Produkte des Agrarriesen, der für Kinderarbeit und massive Umweltverschmutzung mitverantwortlich sein soll.

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In den Augen der Nichtregierungsorganisation „Mighty Earth“ ist der Agrarkonzern Cargill „das schlimmste Unternehmen der Welt“. „Wir wissen, dass das eine kühne Behauptung ist“, schreiben die Umweltschützer am Beginn ihres ausführlichen Berichts über das US-Unternehmen.

Weiter heißt es: „Doch wenn es um die größten Probleme unserer Welt geht – die Zerstörung der Umwelt, die Verschmutzung von Luft und Wasser, die Erderwärmung, die Vertreibung indigener Völker, die Kinderarbeit und die weltweite Armut -, ist Cargill nicht nur auf dem letzten Platz derer, die dagegen kämpfen, sondern treibt die Probleme in einem Ausmaß voran, das alle Konkurrenten in den Schatten stellt.“

Konsumenten kommen an Cargill kaum vorbei

Falls Sie jetzt denken „Ca – wer?“, sind Sie sicher nicht allein. Doch auch wenn viele deutsche Verbraucher mit dem Namen nichts anfangen können, haben sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon einmal Produkte mit Cargill-Komponenten gekauft.

Denn das Unternehmen mit nach eigenen Angaben 155.000 Mitarbeitern in 70 Ländern mischt bei so ziemlich allem mit, was in der Lebensmittelproduktion zum Einsatz kommt:

  • Cargill ist der weltgrößte Produzent von Rinderhack und Hamburger-Bratlingen
  • Cargill baut Getreide und Ölsaaten an, handelt damit und verarbeitet die Rohstoffe zum Beispiel zu Pflanzenölen weiter
  • Cargill gehört zu den führenden Anbietern von Tierfutter und Futterzusätzen
  • Cargill stellt Ethyl- und Trinkakohol her, baut Kakao an und produziert Schokolade, baut Malz an, produziert Stärken zum Verdicken und Stabilisieren, hat Süßungsmittel, Lecithine und Proteine im Sortiment
  • Cargill stellt Chemikalien und Zusatzstoffe für die Kosmetikindustrie her – und noch einiges mehr

Zu den großen Kunden des Unternehmens zählt McDonald’s, und auch Burger King bezieht Cargill-Fleisch. Mehrere deutsche Supermarktketten (darunter Aldi und Edeka) arbeiten mit Cargill zusammen, ebenso Firmen, deren Produkte hierzulande in den Lebensmittelregalen stehen, etwa Nestlé, Danone und Arla.

Kinderarbeit, Regenwald-Rodung, gesundheitsschädliches Fleisch

Die Umweltschützer von „Mighty Earth“ haben nach eigener Aussage jahrelang zu Cargills Geschäften recherchiert und zudem Rechercheergebnisse von Behörden und anderen Organisation zusammengetragen. Ihr Urteil fällt vernichtend aus. Hier eine Auswahl:

  • In Südamerika ließ und lässt Cargill für den Anbau von Soja große Flächen Regenwald abholzen. Das 2014 ausgegebene Ziel, bis 2020 über die gesamten Lieferketten hinweg zu garantieren, dass für die Herstellung seiner Produkte kein Regenwald mehr gerodet wird, wird sich nach Einschätzung von „Mighty Earth“ nicht halten lassen.
  • Viele Indigene Brasiliens haben durch die Rodung des Regenwaldes für Sojaplantagen ihren Lebensraum verloren. Bei anderen nahm die Gesundheit Schaden: Krebs und andere Krankheiten, die durch Pestizide und Herbizide verursacht werden können, nahmen zu. Ebenso die Zahl der Fehlgeburten und Behinderungen bei Neugeborenen.
  • Der Konzern soll Kakao von Plantagen an der Elfenbeinküste gekauft haben, auf denen Kinder arbeiten mussten, bis zu 14 Stunden am Tag, bei schlechter Bezahlung, wenig Essen und Schlägen. Die Kinder sollen von Mali an die Elfenbeinküste verschleppt worden sein. Der International Labour Rights Fund hat in ihrem Namen Klage gegen Cargill erhoben.
  • In Kolumbien soll der Konzern illegal 52.000 Hektar Land erworben haben, mit der Hilfe von 36 ausschließlich für diesen Zweck gegründeten Tochterfirmen.
  • Mehrfach soll Cargill verunreinigtes Fleisch verkauft haben: 2001 musste das Unternehmen 254.000 Burger-Patties zurückrufen, weil E.coli-Bakterien gefunden wurden. Wegen Salmonellen musste das Unternehmen 2002 2,8 Millionen Pfund Hackfleisch vom Markt nehmen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC führte einen Sterbefall, 17 Krankenhausaufenthalte und 47 weitere Erkrankungen auf den Verzehr des Fleisches zurück.
  • Cargill gehört zu den größten Verschmutzern in der US-Lebensmittelindustrie, was Schadstoffe wie Blei, Asbest oder Quecksilber angeht.
  • Die Commodity Futures Trading Comission, eine US-Behörde, die die Optionsmärkte reguliert, hat das Unternehmen 2017 zu einer Strafe von zehn Millionen US-Dollar verdonnert. Der Grund: Cargill hatte sein Handelsvolumen um bis zu 90 Prozent falsch angegeben, um Steuern zu sparen.

„Mighty Earth“ betont, dass es den Bericht zunächst mehrere Monate vor der Öffentlichkeit zurückgehalten hat, um Cargill die Chance zu geben, Verbesserungen herbeizuführen. Außer leeren Versprechungen sei aber nichts geschehen. Deshalb habe sich die Organisation zur Veröffentlichung entschieden.

Cargill habe vielleicht mehr Macht, das Klima, das Wasser, die Lebensmittelsicherheit, die öffentliche Gesundheit und die Menschenrechte zu schützen, als jedes andere Unternehmen in der Geschichte, schreiben die Autoren – oder eben, all das zu zerstören.

Verwendete Quellen:

  • Internetpräsenz von Cargill Deutschland
  • „Mighty-Eart“-Bericht: „Cargill: The Worst Company in the Word“

Proteste gegen Unternehmen (Lobby) und der Politik sind wichtig, die Veränderung durch uns selbst, halte ich für wichtiger.