Können wir es uns noch erlauben, mit unseren kostbaren Grünflächen, so verschwenderisch umzugehen?

Die FREIE WÄHLER FRANKFURT haben hier noch mannigfaltige Ideen wie wir, wie unsere Gesellschaft in die Zukunft gehen können.

(MW- Michael Weingärtner)

Frankfurt will wachsen (sind nicht 800.000 genug?) , die Rhein-Main-Region muss zusammen-wachsen, Menschen müssen bewegt werden. All das ist unbedingt erforderlich, wenn die Metropolregionen leben wollen. Das Land muss angebunden werden, an diese Regionen. Dazu braucht es Transportwege. Im Bereich der Autobahnen hat man hier in der Vergangenheit ein großes Augenmerk auf deren Ausbau gelegt. Im Bereich der Bahn, so scheint es, wurde viel verschlafen. Nun ist es soweit, die Bahnstrecke nach Friedberg wird ausgebaut, die Regionaltangente West steht nach rund 40 Jahren in den Startlöchern. Eine Bedarfsstrecke, deren Planung und Idee vor über 40 Jahren entstanden ist. Eine Bahnstrecke, die am Widerstand der Bevölkerung und der Umweltschützer, immer wieder zum Stillstand gekommen ist. Und nun, viele viele Jahre später, gönnen wir uns den Luxus und wandeln kostbares Grünland in Schienenwege um?

Warum geht man hier nicht unter die Erde?

Der Eingriff in die Natur bliebe überschaubar und die Natur könnte nach Abschluss wieder in ihren Ur-Zustand versetzt werden.

Teurer?!

Ja! Aber nachhaltiger. Und wenn man die Kosten für die Verzögerungen und den Nachhaltigkeitsschaden beziffert, fällt diese Verteuerung wohl nicht mehr so stark in Gewicht. Und einen weiteren Vorteil würde die Tieferlegung des Bahnverkehrs bieten: Die heute notwendige Streckenführung und Anbindung „neuer“ Stadtteile und Städte wären einfacher zu realisieren. Zugkoppelungen und notwendige Infrastruktur sind auch unter der Erde realisierbar. Zumindest in der Metropolregion und dem nahen Umland vielleicht eine Möglichkeit dem Widerstand durch Naturzerstörung und Lärm zu umgehen und die Verwirklichung eines notwendigen Ausbaus zukunftsorientiert entgegen zu gehen.

Die Bahn hat nicht nur Gleise im Blick

Beim Bau neuer Bahnstrecken soll künftig die Stadtentwicklung im Umfeld stärker berücksichtigt werden. Planer wünschen sich aber auch mehr Tempo bei der Umsetzung.

VON GÜNTER MURR

Frankfurt. Die Bahn hat in der Region viel vor. Zwölf Projekte für zwölf Milliarden Euro sieht das Programm „Frankfurt Rhein-Main plus“ vor, das der Schienenkonzern zusammen mit Bund, Land, Stadt und Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vorantreibt. Dabei geht es nicht nur um den Bau neuer Gleise. Bei künftigen Projekten wirft die Bahn auch einen Blick links und rechts der Schienen, wie Gerd-Dietrich Bolte deutlich macht.

Er leitet bei der DB Netz AG den Bereich „Großprojekte Mitte“ und ist damit unter anderem für die Nordmainische S-Bahn zwischen Frankfurt und Hanau verantwortlich. Nach 2025 sollen auf den neuen Gleisen die ersten Züge verkehren. Doch nicht nur die Bahnpendler sollen profitieren. So ist geplant, die Baustraßen entlang der Strecke nach Abschluss der Arbeiten nicht zu entfernen, sondern in einen Radschnellweg umzuwidmen, wie Bolte bei einer Diskussion im Deutschen Architekturmuseum sagte.

Darüber hinaus gibt es weitere Ideen für die Nutzung der Grundstücke an der Strecke. Bolte nannte als Beispiel schmale, langgezogene Gebäude, die einerseits als Lärmschutz dienen, andererseits für Studentenwohnungen oder kleine Büros genutzt werden können. „Wir müssen Stadtentwicklung und Verkehrsplanung zusammen denken“, sagte Bolte. Ähnlich argumentierte Kai Vöckler, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Er brachte eine andere Idee ins Gespräch: „Urban Gardening“, also die gemeinschaftliche Bewirtschaftung von Beeten. Kleingärten seien traditionell neben Bahnstrecken angesiedelt. Beim „Urban Gardening“ aber kämen die Menschen noch stärker miteinander ins Gespräch. „Das hat eine unglaublich hohe Akzeptanz.“

Für bessere Gestaltung

Grünflächen spielen für die Bahn zunehmend eine größere Rolle. So kann sich Bolte „grüne Schallschutzwände“ vorstellen. Im Zuge der Nordmainischen S-Bahn soll ein grünes Verbindungsband zwischen Ostpark und EZB angelegt werden, und zwar in Hochlage auf dem Bahndamm. „Das sieht ein wenig aus wie in New York und könnte bis Sachsenhausen verlängert werden“, sagte Bolte. Vöckler schlägt vor, die bei Bauprojekten vorgeschriebenen ökologischen Ausgleichsflächen künftig direkt neben den Gleisen anzulegen, etwa an der ICE-Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim.

Die Stationen sollen nicht auf Bahnsteige und Sitzgelegenheiten beschränkt sein. Vöckler schlägt vor, sie zu Verknüpfungspunkten zu machen, an denen es Leihautos und Leihfahrräder gibt. Denkbar seien auch Räume, in denen man zeitweise arbeiten kann, sogenannte Coworking-Konzepte. Vöckler hält es für nötig, die Anlagen des öffentlichen Nahverkehrs generell zu verbessern. „In anderen Ländern wird dafür mehr Geld ausgegeben.“

Bolte sieht einen weiteren Mangel: „Uns fehlen große Park-and-Ride-Plätze entlang der S-Bahn.“ Ein solches Infrastrukturprogramm sei relativ schnell auf die Beine zu stellen. Das gilt für andere Projekte nicht. RMV-Geschäftsführer André Kavai wies darauf hin, dass über Projekte, die jetzt realisiert werden, schon in den 80er Jahren gesprochen wurde. „Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.“ Thomas Horn, Direktor des Regionalverbands Frankfurt Rhein-Main, plädierte für eine Beschleunigung, zum Beispiel durch eine Beschränkung von Umweltprüfungen, Bürgerbeteiligung und Klagemöglichkeiten. „Sonst werden wir handlungsunfähig.“

Sonderrecht gefordert

Er wünscht sich ein Sonderrecht für Metropolregionen, die sonst ihrer Funktion als wirtschaftlicher Motor nicht mehr erfüllen können. Auch Bolte mahnte: „Wir müssen aufpassen, dass es die Behörden bei der Prüfung nicht überreiben.“ Wenn es um Projekte gehe, die dem Gemeinwohl dienen, müsse man das anders betrachten. Und er wies darauf hin, dass die Region auch nach 2030 weiter wachsen werde. „Wir müssen jetzt damit beginnen, einen Masterplan für diese Zeit zu entwickeln.“