Foto zeigt Wolf-Rüdiger Hansen oberhalb an der Steinbachaue

Als Mitglied im Ortsbeirat 8 Frankfurt bin ich von Anfang an gegen eine Bebauung dieser Fläche. Alle Sachargumente sprechen klar gegen eine Versiegelung.

Auf Einladung vom BUND mit der Führung durch Wolf-Rüdiger Hansen konnte ich an diesem einmaligen Erlebnis des Quartierrundgangs über die Flur teilnehmen. Im Anhang finden Sie den Quartiersplan vom Stadtplanungsamt FFM. Details ergänzt von Wolf-Rüdiger Hansen. https://www.bund-frankfurt.de/fileadmin/frankfurt/FlyerRouteA4_Quartiersrundgang_2020V3.pdf

Die schwarze Umrandung im Quartiersplan ist das sogenannte Sichtfeld was wesentlich größer ist, als das eigentlich vorgesehene geplante Baugebiet. Die gelblichen Flächen sind die vorgesehenen Quartiere die bebaut werden sollen. Die gepunktete Linienführung zeigt den Querfeldeinweg im Gelände unseres Quartierrundgangs durch die Flur des Neuen Stadtteil der Quartiere im Frankfurter Nordwesten. Die roten Punkite sind markante Details zur Orientierung. Der Pfeil rechts ist der Ausgangspunkt und Start und Treffpunkt: Seniorenwohnheim Praunheimer Weg 149.

Start war im Auslauf des Steinbach der zu ca. 80% trocken und zu 20% Wasser hat und dieser führt direkt in einen Kanal in Richtung Nidda. Der Steinbach kommt als einziger Bach nicht aus dem Taunus, sondern er wird durch einen kleinen See in Steinbach und durch Regen getränkt.

Wenn man die Karte vor sich hat, glaubt man, das Gelände ist ausschließlich flach. Dem ist nicht so!

Kaltlufentstehungsgebiete

Um die Wichtigkeit der Kaltluftwinde und ihre Entstehung in diesem Gebiet zu verstehen und die Tragweite zu erkennen, war dieser Rundgang von größter Bedeutung.

Vorweg: bisher habe ich eher den Wortlaut gepflegt „Bauwahnsinn stoppen oder Feld statt Beton“, heute sage ich: dieses Naturland einfach erhalten!

Das Bewusstsein sich für die Erhaltung dieser einzigartigen und vielfältigen Natur- und Nutzfläche einzusetzen, ist bei mir enorm gestiegen. Man kann auch sagen: von der Theorie in die Praxis. Die Natur hat mein Herz eingenommen.

Mein natürliches Gefühl, Du tust das Richtige wurde enorm gestärkt. Man fühlt sich absolut sicher für die kommenden Auseinandersetzung für dieses Quartier.

Meine Sinne wurden geschärft und mein Herz wurde stark berührt durch die Pflanzen, Sträucher, Bäume, Wiesen, Felder, Tiere und die spürbaren Winde. Emotionen pur…

Gleich beim Start konnte man den Überblick auf das geplante Bebauungsgebiet und die Größe erkennen. Der Weg ging entlang der Steinbachaue – hinter uns Sträucher und Bäume im satten Grün und vor uns eine wunderbare bunte Blühwiese, daneben bewirtschaftete unterschiedliche Agrarflächen, alles leicht hügelig mit entsprechenden Senken.

Hier entstehen die sogenannten Kaltluftflächen/Schneisen. Der Wind fließt immer in Richtung abwärts in die entsprechende Kaltluftschneise. Im Gegensatz zu den Frischluftwinden aus dem Taunus. Ein Beitrag in Ergänzung zu den Luftkorridoren https://www.heimatboden-frankfurt.de/allgemein/luftkorridore-zubauen-und-freihalten-gleichzeitig/

Wenn man die Beiträge und Ausarbeitungen der einzelnen Architekten liest, hatte ich nun im Gelände den Eindruck, die haben sich wohl nicht gut in diesem Gelände umgeschaut. Am Unterlauf des Steinbach einen Badesee zu konzipieren macht für mich keinen Sinn. Woher soll das Wasser kommen? Aus dem Steinbach der zu 80% trocken ist oder den oberhalb laufenden Lachgraben, der eher als Sickerfläche dient!

Bademöglichkeiten haben wir im Nordwesten in unmittelbarer Nähe genug.

Um das Insektensterben vor allem der Wildbienen (500 Arten) zu verhindern, sind die angelegten Blühwiesen ideal. https://www.heimatboden-frankfurt.de/allgemein/insektenatlas-2020/

Helfen wir der Natur, hilft sie uns! Ich werde Blühstreifen-Pate https://www.heimatboden-frankfurt.de/wir-lassen-es-summen-und-brummen/. Ich bin schon dabei für 3 Jahre!

Schon diese ersten Eindrücke der ersten halben Stunde waren überwältigend. Unser excellenter Führer Wolf-Rüdiger Hansen, BUND Frankfurt hatte diese geniale Idee des Quartierrundgangs in kleinen Gruppen sofort umgesetzt. Danke! Sein gesamtes Wissen von Jahrzehnten, wo er hier im direkten Umfeld wohnt und seine Erkenntnisse vermittelt er in sachlicher Form und absolut neutral ohne politische Färbung.

Seine Argumente sind für mich beste Bewertungsgrundlagen sich gegen die politischen Maßnahmen dieses Bauvorhabens zu stellen. Ich bin dankbar, dass ich diese Sachkenntnisse nun auch körperlich, geistig und mit meiner Seele wahrnehmen konnte. Auch die anderen Teilnehmer gaben entsprechend ihr Input.

Ich fühle mich nun wie ein Teil dieser Landschaft!

Ein wunderbares neues Gefühl was mich in meiner Entscheidung zur Erhaltung dieser Landschaft bewusster gemacht hat.

Schon wie bereits erwähnt die ersten 30 Minuten von unserem insgesamt 3 1/2 stündigen Rundgang, war ich überwältigt von der Ausstrahlung und den unterschiedlichen Blickrichtungen auf das Gelände. Vor uns der Taunus, hinter uns der Blick auf Frankfurt, neben uns das Umland.

Auf der Höhe des Tennisplatz konnte man in Richtung Wasserwerk Praunheim 2 und das Umspannungswerk schauen. Vor uns sehr markant das Nordwestkrankenhaus und ein 12-stöckiges Hochhaus, leerstehend und Asbest verseucht, ehemals Agnes-Karll-Schule der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist (Schwesternschule). Eröffnung 1966. Das Nordwestkrankenhaus gehört ebenfalls zu dieser Stiftung. Der Neubau der Agnes-Karll Schule wurde 2016 eröffnet https://www.stiftung-hospital-zum-heiligen-geist.de/presse/pressemitteilungen/pressemeldung/news/die-neue-agnes-karll-schule-die-berufsfachschule-fuer-krankenpflege-bezieht-neues-gebaeude

Dieses leerstehende Gebäude ist ein echter Frankfurter Nordwest Schandfleck.

Wie kann es sein, dass man über Wohnungsbau spricht und so ein Gebäude hier weiter brach liegt. Sicher kein sehr christliches und menschliches Verhalten. Der Heilige Geist scheint hier nicht im Spiel zu sein, eher der Immobilien-Gier-Geist.https://www.stiftung-hospital-zum-heiligen-geist.de/

Das Gelände ist auch als Wasserschutzgebiet II ausgewiesen. Es ist für die Wasserversorgung für Frankfurt, Praunheimer Wasserwerk II von Bedeutung. https://www.fr.de/frankfurt/porsche-org27588/wasserwerk-neuen-stadtteil-problematisch-11414311.html

Die nahegelegene Kleingartenanlage ist direkt unter den Starkstromleitungen. Wie man hier freiwillig seine Freizeit gestaltet, erschliesst sich mir nicht. Evtl. gesundheitliche Beeinträchtigungen scheinen diese Menschen des Kleingartenvereins in Kauf zu nehmen.

Die Starkstromleitungen müssen nach jetzigem Landesrecht auf jeder Seite eine 400 Meter (Total 800 Meter) Abstandsregelung gewährleisten.https://www.fr.de/frankfurt/wohnen-in-frankfurt-sti903943/frankfurt-stoppen-stromleitungen-neuen-stadtteil-11755403.html

Mike Josef will diese Regelung nicht akzeptieren und den Abstand bis auf 50-60 Meter analog Riedberg (da galt diese Regelung noch nicht!) als Ausnahmeregelung verkürzen. Laut Studien der Bauplaner ist das alles gesundheitlich unbedenklich. Wer eine Studie bezahlt, bekommt auch das gewünschte Ergebnis oder nicht? https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/frankfurt-misst-stroeme-von-hochspannungsleitungen-16040290.html

Hier vertrete ich eine andere Meinung. Politisch wird Elektrosmog verharmlost und Starkstromleitungen insbesondere.

Elektrosmog meets Bauwahnsinn.

Die Autobahn A5 liegt direkt vor uns. Der zum Teil vorhandene Lärmwall an der A5 Richtung Bad Homburg ist erkennbar und die Unterschiede der Lärmeinwirkung kann man entlang der Strecke hören. Bei Bebauung muss dieser Lärmwall beträchtlich erhöht werden als Lärmschutz-Wand. Der schöne Blick zum Taunus wird sicherlich erheblich geschmälert sein.

Unser Blick geht schon auf einen Aussichtpunkt den wir noch begehen werden. Im Sprachgebrauch den Geiersberg. Vorher durchqueren wir noch die A5 Unterführung. Schon auf der Haut spürt man beim durchgehen, hier ist ein Temperaturunterschied festzustellen. In unserem Fall von warm zum kühleren Wind. Dieser kleine spürbare Sofort-Effekt lässt ahnen, welche Auswirkungen eine Bebauung auf das Klima in Frankfurt hat.

Die Erwärmung in den letzten Jahren hat in Frankfurt stark zugenommen. Auswirkungen des Riedberg auf das Stadtklima sind noch nicht endgültig bekannt. https://www.fnp.de/frankfurt/frankfurt-waermste-deutschlands-jahr-2018-10921875.html#:~:text=Frankfurt%20ist%202018%20der%20w%C3%A4rmste%20Ort%20Deutschlands&text=Frankfurt%20ist%20im%20Schnitt%20der,sagt%20Andreas%20Friedrich%20vom%20DWD.

Zusätzliche Klimaveränderung durch das geplante Neubaugebiet werden mir hier noch bewusster. Als weitere Entscheidungshilfe kann man den Klimaatlas Frankfurt zu rate ziehen. https://energiemanagement.stadt-frankfurt.de/Investive-Massnahmen/Leitlinien-wirtschaftliches-Bauen/Klimaplanatlas.pdf Dieser Klimaatlas wurde uns im Ortsbeirat 8 erklärt.

Ausserdem befinden wir uns gerade auf einer sogenannten Ausgleichfläche vom Riedberg. Eine Fläche die eigentlich in der Zukunft nicht bebaut werden sollte. Hierzu gibt es eine umfassende Gesetzgebung https://www.bundestag.de/resource/blob/585634/d53c86bcbefae2c3626db5e666f60d9d/WD-7-235-18-pdf-data.pdf


Unterwegs begegnen wir vielen Radfahrern, Spaziergänger, Hundebesitzer sowie Kleingartenbesitzer die sich hier im Gelände aufhalten. Das Gelände vermittelt einem immer wieder neue Eindrücke über die Landschaft und andere Sichtweisen Richtung Taunus und Frankfurt. Vor uns liegen kleine Waldabschnitte, Baumgruppen, Obstplantage und verschiedene Äcker (Raps, Weizen, Roggen…)

Eine Bürgeraktion nutzt am Geiersberg eine Fläche zum Anbau von Kartoffeln. Ein Aktiver schaut gerade nach dem Befall von Kartoffelkäfern. Wir fragen ihn und er ist sehr zufrieden, es gab nur wenige.

Die Bodenqualität ist mit das Beste was man in Deutschland finden kann. Allein dieser Bodenwert sollte eine Versiegelung ausschliessen. Dieser wertvolle Lösslehmboden mit der Bodenzahl 80 von 100 kann bei längerer Trockenzeiten die Feuchtigkeit über einen längeren Zeitraum speichern und Pflanzen versorgen. Es wäre ein Vergehen an der Natur und ein dauerhafter Schaden für die nächsten Generationen bei Versiegelung. Übrigens dieser gute Boden war auch am Riedberg zu finden. Der Riedberg hätte aus heutiger Sicht nie gebaut werden dürfen.

Vom Geiersberg hat man einen großartigen Blick in alle Himmelsrichtungen und kann die unterschiedlichen Quartiere gut erkennen. Die geplanten Baumaßnahmen nimmt man nochmals anders wahr!

Die vielen Eindrücke und Informationen von Wolf-Rüdiger Hansen hinterlassen bei mir ein Gefühl von Demut zu diesem Lebensraum entstehen. Als Frankfurter Bub unternehme ich gerade eine Zeitreise in meine Kindheit, da habe ich auch täglich Streifzüge durch freies Gelände vom Dornbusch bis nach Ginnheim machen dürfen wenn ich zur Diesterwegschule ging Das Feingefühl für Boden, Luft, Bäume, Sträucher, Pflanzen, Blumen, Insekten, Vögel, Mäuse, Hamster kommt gerade wieder zurück.

Danke für diese Momente lieber BUND, lieber Herr Hansen.

Unterwegs haben wir Nistkästen, Hochstände für Greifvögel sowie Steingärten – alles Aktivitäten – vom NABU/BUND sehen können.

Man sieht es gibt Menschen die sich hier schon lange engagieren. Überall findet man auch Hinweise seitens der Bürgerintiative Heimatboden.de, die viele Aktionen gegen den Bau dieses geplanten Stadtteils unternommen haben. https://www.heimatboden-frankfurt.de/unsere-aktionen/

An den meisten Aktionen habe ich ebenfalls teilgenommen und mich engagiert. Es wurde schon viel Aufklärung gemacht um diesen Bauwahnsinn zu stoppen.

Der Rückweg verging relativ zügig über das Lerchenfeld (hier konnten wir ein Rollrasenfeld sehen) am Lachgraben vorbei in Richtung Steinbachaue unserem Ausgangspunkt.

Meine Beine, Füße und die gesamte Muskelatur schrien nach Entspannung. Eine für mich ungewohnte körperliche Anstrengung habe ich gut verkraftet. Mein Gefühlsbarometer war voll mit beeindruckenden Emotionen und ich bin mit einem guten Gefühl am Abend eingeschlafen.

Heute weiß ich, dieser Rundgang hat mir für mein Bewusstsein gut getan. Ich werde für die Erhaltungen dieser Fläche mich weiter einsetzen.

Zur Not lege ich mich auch vor einen Bagger. Soweit wird es aus meiner Sicht nicht kommen, da ich der festen Überzeugung bin, hier wird nie gebaut werden.

Die Gründe für BAUEN sind auf dieser Flüche nicht gegeben!

Hier der letzte Blick unseres Rundgangs auf die Nordweststadt, Praunheim und im Hintergrund die Verbrennungsanlage in Heddernheim, Nähe meines Wohnsitzes.

Argumente gegen eine ‚Bebauung https://www.heimatboden-frankfurt.de/fragen-widersprueche-argumente/